Feinstaub-Plakette – außer Spesen nichts gewesen?

Nun ist sie also da, die Feinstaubplakette. Sie ist das Ergebnis der Umsetzung einer EU-Richtlinie, die die Belastund der Luft durch Feinstaub begrenzt. Feinstaub ist ein Problem bei Diesel-Motoren; minimiert werden soll das durch Rußpartikelfilter, die aber noch nicht bei allen Herstellern verfügbar sind und selten nachrüstbar.
Es gibt 4 Stufen:
1 (keine Plakette), 2 (rot), 3 (gelb) und 4 (grün).
Je höher die Zahl, desto weiter darf man in Umweltzonen einfahren.
Bei der Einführung der Stufen hat man auch Fahrzeuge mit Bezinmotoren aufgenommen – obwohl von Anfang an klar war, dass diese keinen Feinstaub ausstoßen. Auf Nachfrage gab es die etwas merkwürdige Begründung, dass man die Diesel- und Benzin-Nutzer gleich behandeln wolle – hat da jemand vergessen, dass es bereits in Anschaffungspreis, Besteuerung und Kraftstoffpreis ziemlich signifikante Unterschiede zwischen Diesel und Benziner gibt?
Nun, statt direkt bei Benzinern nach der Unterscheidung Kat / kein Kat eine grüne Plakette mit B (Benziner) zuteilt bzw. eben nicht, gab es eine recht undurchsichtige Regelung, nach der man Plaketten vorsah. Nun, diese Vorschrift wurde glücklicherweise novelliert und es wird jetzt die grüne Plakette vergeben, sobald das Fahrzeug einen Kat hat.
So weit, so gut. Doch wie sieht es in der Praxis aus?
Ich kenne die Innenstädte von Bochum und Herne – also zwei Städte mit durchaus hoher Einwohnerdichte und stark befahrenen Innenstädten. Wenn ich mal so einen Blick auf die Straßen werfe, sehe ich:

  • private PKWs, gefühlt Benzin in der deutlichen Mehrheit, da wenn Plakette zu deutlicher Mehrheit die 4
  • diverse Lieferwagen und Kleinlaster, aber zum größten Teil deutlich jünger als 10 Jahre, also auch da selten etwas schlechteres als 4
  • jede Menge Taxen, im Mittel gut über 15 Jahre alt, mit deutlichen Rußablagerungen rund um das Endrohr, aber von der Feinstaubverordnung (noch) ausgenommen
  • Busse des ÖPNV mit einer eigentlich weißen Rückwand, die aber schon stark ergraut ist und deren Endrohre einen beim Gas geben mit einer großen Abgaswolke begrüßen, die aber ebenso (noch) von der Feinstaubverordnung ausgenommen sind
  • SUVs, die zwar auch mittlerweile gerne eine 4 bekommen, bei denen man sich aber die Frage gefallen lassen muss, ob in der heutigen Zeit für ein Fahrzeug, dass für 5 Personen und etwas Ladung ausgelegt ist (ich aber selten auch nur ansatzweise so ausgelastet sehe), ein Kraftstoffverbrauch von jenseits der 10 l Diesel auf 100 km gerechtfertigt ist

Nach meinem Dafürhalten sind die in den Innenstädten größten Lufverschmutzer (Taxen, Busse) von den Regelungen ausgenommen und treffen wird es vermutlich den, dne man damit eigentlich am wenigsten belasten dürfte: den kleinen Unternehmer, der auf kleinem Fuß arbeitet und sich mit einem kleinen nicht ganz aktuellen Fuhrpark durchs Leben schlägt. Der vor ein paar Jahren gekaufte Firmenwagen kann bald wertlos sein, weil man mit ihm nicht mehr überall in der Stadt sein Gewerbe ausüben darf.

Somit stellt sich die Frage, ob hier nicht viel viel Geld investiert wird, um sich um eine Sache zu kümmern, die nur einen mäßigen Effekt hat und in wenigen Jahren obsolet sein wird, da bereits jetzt die Anzahl der „bösen“ Fahrzeuge, die aus den Städten herausgehalten wird, ziemlich gering ist.