Hobbytronic, RIP…

Tja, das wars dann wohl. Mittlerweile ist es hoch offiziell: die Hobbytronic fällt in diesem Jahr aus.
Interessant, dass die Wirtschaftskrise zwar für den Tod der Hobbytronic verantwortlich gemacht wird und zeitgleich die Intermodellbau nochmals vergrößert wird…

Ich war auch auf der 2008er, wahrscheinlich also der letzten Hobbytronic. Es lag da auf der Hand, dass es bei dem derzeitigen Konzept auch nicht mehr lange dauern würde, bis da die Türen zugemacht werden und die Hobbytronic vollends in der Intermodellbau aufgehen wird; Firmen wie Conrad z. B. sind ja sowieso schon zur Intermodellbau gewechselt.

Dass das Internet einen nicht unmaßgeblichen Anteil am Niedergang hat, ist klar. So kränkelt ja auch die CeBit; Produkte, die die Firmen wirklich erst auf der CeBit vorstellen, sind ja der Einzelfall geworden. Das ergibt sich aber auch: welche Firma kann es sich in dem Sektor denn noch leisten, nur zu bestimmten Terminen im Jahr neue Produkte vorzustellen? Oder andersherum gedacht: wo früher Messen wie die CeBit und die Berichte in Zeitschriften und Fernsehsendungen darüber, eine der wenigen Möglichkeiten für Hersteller waren, über neue Produkte zu informieren, ist das mit dem Internet viel einfacher, schneller und kostengünstiger möglich.

Aber zurück zur Hobbytronic. Bei meinen ersten Besuchen dort füllte die Hobbytronic noch mehrere Hallen. Da gab es eine Halle, in der explizit keine (!) Computer gab, sondern ausschließlich Bauelemente, Elektronik und Amateurfunk.
Daran, dass diese Dinge überhaupt kein Thema mehr sind, stellt man aber auch zwei Dinge fest: das Basteln ist kaum noch ein Thema.

Aber man muss auch feststellen, dass die „Notwendigkeit“ des Bastelns immer weniger besteht. Gab es noch Zeiten, wo gewisse Geräte, wenn es sie denn überhaupt fertig zu kaufen gab, so unendlich teuer waren, dass sie für „Otto-Normalverbraucher“ kaum erschwinglich waren. Da fällt mir direkt der WDR Computerclub mit Wolfgang und Wolfgang ein, die sich selbst einen Scanner gebaut haben. Heute dürfte der Materialpreis für so ein Projekt den Anschaffungspreis eines Scanners von der Stange locker übersteigen, da man letzteren wohl mit ein bisschen Glück aus einem beliebigen Haufen „Elektroschrott“ ziehen kann.
Scanner, Farbdrucker, Rechnervernetzung, Videoein- und ausgabe, Klangerzeugung, Klangverarbeitung, Spracheingabe, Sprachausgabe,… alles Dinge, die heute mit einem handelsüblichen PC problemlos möglich sind – und zwar ohne großen Aufwand. Gab es früher Macs, für die es Steckkarten mit PC-Hardware gab, um PC-Software auf dem Mac laufen zu lassen, machen wir das heute alles in Software.

Die „Notwendigkeit“ hat sich dramatisch verringert. Es gibt natürlich immer noch Spezialanwendungen, bei denen sich das Basteln lohnt – das Stichwort „Messen, Steuern, Regeln“ sehe ich heute als ein viel größeres Thema an, als es in den 80ern der Fall war. Hochintegrierte Rechner, Einplatinensysteme, Mikrocontroller mit Netzwerk- und meist Internetzugang sorgen schon und werden in der nächsten Zeit sicherlich noch für eine Vielzahl interessanter Entwicklungen sorgen. Mit der Einführung und (nahezu) flächendeckenden Versorgung mit Breitband-Internet und Flatrates sind schon eine Vielzahl spannender Anwendungen möglich, um „mal eben“ von einem quasi beliebigen PC auf Daten von zu Hause zuzugreifen. Nach und nach beginnt im mobilen Bereich auch die Zeit der günstigen und quasi-dauerhaften Internetanbindung, sodass man bald im vorigen Satz „PC“ durch „Internet-fähiges Endgerät“ ersetzen kann.
Doch in punkto Basteln hat sich noch etwas verändert: das Basteln ist heute technisch nicht mehr auf dem gleichen Stand wie die Serienfertigung. Wer früher einen Computer haben wollte, konnte ihn sich fertig kaufen oder selbst bauen (siehe Apple I und sinclar ZX 81). Die groben Fertigungstechniken ermöglichten es, auch im Bereich der Platinen und dem Prozessor Hand anzulegen. Durch die hochgradige Miniaturisierung ist es dem unbedarften Bastler heute nahezu unmöglich, heutige Bauteile zu verarbeiten. Früher reichte ein Lötkolben, etwas Lackdraht und eine Lochrasterplatine aus und fertig war die Basis für die Hardwarebastelei.

Heute übliche SMD-Bauteile sind gleichzeitig Segen und Fluch: einerseits bescheren sie uns Produkte ungeahnter Winzigkeit, andererseits machen sie das händische Bauen schwer bis unmöglich. Mit Tricks kann man zwar auch SMDs und BGAs verarbeiten, aber das auch nur beschränkt und mit zum Teil recht abenteuerlichen Methoden.

Früher waren jedoch nicht nur die Art der verarbeiteten Bauteile bei Bastlern und Industrie ähnlich, sondern auch die Bauteile selbst. So gibt es durchaus den einen oder anderen Rechner aus den 80ern, der fast oder vollständig aus Standardbauteilen aufgebaut ist.

Basteln ist also im gewissen Sinne eine Nische geworden. Mittlerweile rücken Mikrocontroller aber immer mehr ins Rampenlicht. Das „frei programmierbare Steuerboard für Jedermann in Massenproduktion“ könnte viele Bastler und Tüftler zurückholen bzw. Einsteiger motivieren. Der ComputerClub 2 führt ja in Zusammenarbeit mit dem Elektor ein Mikrocontroller-Projekt durch, das wohl von großem Erfolg gekrönt ist.

Die allgemeinen Veränderungen auf dem Elektroniksektor dürften also sicherlich ein Grund für den schleichenden Untergang der Hobbytronic sein.
Allerdings sehe ich auch noch ein Problem: die Hobbytronic zeigte schon vor einigen Jahren einen Trend zur „Ramschmesse“ – das mag schon Mitte der 90er angefangen haben. Es gab mehr und mehr Händler, die direkt aus Kisten abverkauft haben oder Bestände ausgemusterter Rechner aufgekauft und die dann auf der Hobbytronic im wahrsten Sinne des Wortes „verramscht“ haben. Dieser Trend hat sich in den Jahren fortgesetzt, bis es Händler gab, die scheinbar Elektroschrott zum Tonnenpreis eingekauft haben mögen, um diesen dann möglichst Gewinn bringend loszuwerden und den Rest nach Messeende zu entsorgen. In den letzten paar Jahren war dem nun nicht mehr so: es gibt nun durchaus mehrere Stände, bei denen es (zumindest dem Eindruck und Gefühl nach) funktionierende Gebrauchtware zu vernünftigen Preisen zu kaufen gibt. Das hilft nun allerdings nicht mehr viel, da die Qualität der anderen Stände arg nachgelassen hat.
Bei meinem Rundgang über die 2008er Hobbytronic habe ich mich zwischenzeitlich wie auf einem in meiner Umgebung üblichen Flohmarkt gefühlt: einige Stände mit fast identischem Sortiment, absolute Massen- bzw. Billigware, alle vom optischen Eindruck her nahezu identisch, aber in großer Anzahl vertreten.
Dieses Prinzip schlug nun zu allem Übel auch noch auf die normalen „Computer“-Stände über. Mir als Mac-User bietet die Hobbytronic nun sowieso nicht die Anreize zum Hardwarekauf, aber nach etwas Überlegen fiel mir ein, dass wir beim DRK für einen bestimmten Rechner noch einen USB-Hub gebrauchen könnten. Ich hatte bei einem Kollegen einen schicken Hub von Logitech gesehen und wollte diesen oder einen ähnlichen kaufen.
Hier merkte ich aber schon sehr schnell, worauf die Händler sich eingeschossen haben: Massenmarkt. Mit dem Zunehmen der Nutzung von USB-Sticks und externer USB-Festplatten stieg bei den PC-Nutzern offenbar der Bedarf nach Hubs. So ein Hub ist aber umständlich, wenn man noch ein extra Netzteil braucht. Ein gescheiter Hub lässt einem mittels Anstecken oder nicht-Anstecken eines Netzteils die Wahl, ob ich ihn als aktiven oder passiven Hub betreiben will.
Dass ein aktiver Hub etwas anderes ist als ein passiver Hub und dass sich daraus entsprechend Konsequenzen ergeben, scheint in den Breiten des 08/15-Nutzers aber nicht so angekommen zu sein, weswegen die Händler Hubs ohne Netzgerät verkaufen und dann groß mit „USB-Hub – braucht kein Netzgerät!“ werben.
Gut – ich wollte aber einen aktiven Hub – und entschied mich damit erstmals gegen die Masse. Die zweite Entscheidung gegen die Masse fiel dann, als ich mich gegen einen USB-Hub mit blinkenden, bunten LEDs entschied. Die Auswahl sank damit drastisch. Als ich an einer handvoll Ständen immer wieder den gleichen, billigen Noname-Hub in der Hand hielt, war für mich klar, dass ich hier nicht das finden werden würde, was ich suche.
Das war etwas, das früher definitiv anders war. Früher traf man auf der Hobbytronic nicht nur auf eine große Auswahl in Quantität, sondern auch in Qualität. Vom gebrauchten Nadeldrucker bis zum fabrikneuen HP-Laserdrucker, vom 100er-Pack unformatierter Noname-Disketten bis zum edlen BASF-Päckchen mit DOS-formatierten Disketten war alles zu bekommen.

Ich bin mittlerweile völlig davon weg, im Alltag Billigprodukte einzusetzen. Doch allein eine hochwertige Tastatur auf der Hobbytronic zu bekommen schien mir unmöglich – Namen wie Cherry oder Logitech habe ich jedenfalls vergeblich gesucht. Auch kann ich mich nicht entsinnen, einen Stand mit Druckern oder Scannern gesehen zu haben. Offensichtlich ist es nicht das, was die Masse im Moment verlangt. Dafür gibt es eine Hand von „Geht immer gut“-Ständen, die vornehmlich oder ausschließlich die „Trend“-Produkte verkaufen. Waren es in den letzten Jahren „Modding-Zubehör“ (Leuchtröhren, leuchtende Lüfter, Gehäuse mit transparenten Elementen) und davor Handyzubehör und noch ein bisschen früher Nachfülltinte, waren es in diesem Jahr kleine ferngesteuerte Hubschrauber.
Früher war es ohne Probleme möglich, am Morgen die Wohnung mit einem leeren Schreibtisch und vollem Geldbeutel zu verlassen und von der Hobbytronic mit einem großen Haufen Paketen zurückzukehren, in denen von Komponente zu Komponente der Wunschcomputer in Hard- und Software enthalten ist und das jeweils mit eine kleinen bis großen Einsparung gegenüber dem regulären Verkaufspreis. Nach meinem Eindruck ist dem nicht mehr so. Es ist zwar durchaus möglich, sich auf der Hobbytronic einen Computer zusammenzustellen, aber man ist in der Produktauswahl für seine Komponenten stark eingeschränkt.
In den letzten Jahren war es auch kein Problem, etwas unüblichere Bauteile zu bekommen. Händler, die z. B. Kabel als Meterware und eine große Auswahl an Steckverbindern anboten, gehörten bis vor ein paar Jahren zum absoluten Standard auf der Hobbytronic. Doch das ist mittlerweile Vergangenheit – dazu ein recht dramatisches Beispiel: wir hatten an unserem Stand Probleme mit einem Stück Hardware auf Basis eines Microcontrollers. Um nun das Problem analysieren zu können, benötigten wir ein Stück Flachbandkabel mit 10-poligem Pfostenstecker-Anschluss; eigentlich ganz einfach – sollte man meinen…
Ich suchte einen Kabelspezialisten auf und entdeckte dort ein recht beachtliches Sortiment – an AKTUELLEN Kabeln, leider nicht mehr.
Aus lauter Not heraus kaufte man dann ein altes USB-Slotblech von ASUS, dem ein solches Kabel beilag.

Ich bin gespannt, was nun mit der Hobby & Elektronik in Stuttgart, die Stuttgarter Version der Hobbytronic passiert; tendenziell lief es dort immer besser, aber ein Abwärtstrend war wohl auch dort zu spüren.