Ein Glück, dass das vorbei ist…

Vor einigen Wochen sah ich eine Dokumentation über die letzten Monate der DDR. Es kamen mehrere Menschen zu Wort, die versucht haben, die DDR zu verlassen oder es auch geschafft haben.
Dabei war der Tenor recht deutlich: diese Menschen wurden sich bewusst, dass sie unterdrückt wurden, sie wollten nicht mehr in einem Staat leben, der ihnen vorschreibt, was sie wie zu tun haben, wie sie zu denken hätten und wohin sie (nicht) zu reisen haben und sie kamen sich allesamt überreguliert und entmündigt vor.
Die eingängige Meinung: Ein Glück, dass das vorbei ist.
Aber ist unser Land wirklich noch so frei, wie es damals war? Müssen auch wir nicht sehr aufmerksam gegenüber der Dinge werden, die unser Staat so veranstaltet?
Mittlerweile haben wir schon eine Vorratsdatenspeicherung, und etwas, das unseren Staat einmal ausgemacht hat, wird mehr und mehr zu kippen versucht – die Bürger werden unter Generalverdacht gestellt.
Die Onlinedurchsuchung haben wir mittlerweile auch schon, gleichzeitig werden die Grenzen immer weiter herab gesetzt, ab denen man handlungsfähig wird, aber auch die Handlungsmöglichkeiten deutlich erweitert.
Was aber viel schlimmer ist: in der Bevölkerung fehlt ein Unrechtsbewusstsein. Bereitwillig wird bei Umfragen mitgemacht, Postleitzahlen beim Einkauf preisgegeben, es wir mitgeholfen, detaillierte Muster über Einkaufgewohnheiten zu erstellen, indem man mit diversen Rabattkarten schön personalisierte (!) Informationen erzeugt.

Spricht man einmal auf diese Dinge an, kommt schnell die Antwort: „Was sollen wir denn schon dagegen machen? Die da oben machen doch eh was sie wollen.“ oder „Was kann ich denn schon tun?“. Wirklich? War nicht zuletzt ein Faktor, der die DDR zu Fall brachte, dass einfach die Menschen auf die Straße gegangen sind und ihrem Staat gezeigt haben, dass sie nicht mehr willens sind, sich unterdrücken zu lassen?
Gerne wird auch als Argument vorgebracht „Ich habe nichts dagegen, ich habe nichts zu verbergen.“ – Ja, wirklich? Wie schaut es mit der Wohnungstür aus, dem Auto, dem Fahrrad; werden die dann auch nicht abgeschlossen, weil man nichts zu verbergen hat? Ach, da könnte man etwas klauen? Soso, und so etwas wie Datenklau gibt es nicht? So sehen die Gesichter derer nicht gerade aus, wenn im Rahmen diverser Reportagen gebrauchte Speichermedien gekauft und dann die Fotos vom letzten Urlaub, Bewerbungsschreiben, Informationen über den Geldverkehr oder noch ganz andere Dinge wiederhergestellt werden…
Scheint also so, als ob Vielen doch irgendwie daran gelegen ist, dass manche Dinge nicht Jeder sehen kann. Da sollte sich jeder mal an die eigene Nase fassen und überlegen, wie es so mit seinen persönlichen Daten ausschaut und ob man nicht hier und da vielleicht mal etwas genauer aufpassen sollte.
An dieser Stelle fällt mir folgende kleine Ansprache von Heinz Rudolf Kunze ein:

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